Para Triathlon - Lena Dieter on the road to Tokio

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Lena Dieter (TSV Amicitia Viernheim) gehört seit Dezember 2018 zum Triathlon Kader des Deutschen Behindertensportverbandes. Im Hinblick auf Tokio 2020 hat sie C-Kader-Status. Lena ist blind und startet im Para Triathlon in der Klasse PT VI. Die Viernheimerin wurde am Samstag, 6. Juli zum siebten Mal in Folge Deutsche Meisterin über die Sprintdistanz.

Lena, herzlichen Glückwunsch zu deinem Erfolg in Hamburg. Wie war das Rennen, Hamburg ist ja der größte Triathlon der Welt?

Vielen Dank. Also insgesamt sind mein Guide Lena und ich sehr zufrieden mit unserer Leistung, aber so große Rennen sind vor Allem für den Guide aufgrund der hohen Teilnehmerzahl technisch sehr anspruchsvoll, weil die Strecken dadurch sehr überlaufen sind. Das merkt man insbesondere auf dem Rad und beim Laufen. Zudem hat Lena beim Check-In einen Raddeffekt an der vorderen Sattelstütze unseres Rads diagnostiziert. Zum Glück konnte er durch ihre hohe Expertise auf diesem Gebiet und die Hilfe meiner Mutter noch rechtzeitig behoben werden. 

Und von der Zuschauerseite her, wie war dein Eindruck?

Also wenn ich das richtig mitbekommen habe, waren schon einige ZuschauerInnen vor Ort, obwohl wir sehr früh am Morgen gestartet sind.  Die Moderation gibt sich dort auch immer große Mühe, die Stimmung dauerhaft in Schwung zu halten, was insbesondere meiner Schwester super gut gefällt.    

In diesem Jahr gibt es in Deutschland erstmals vier nationale Meisterschaften im Para Triathlon. Am 10. August finden die Titelkämpfe über die Mitteldistanz in Wilhelmshaven, am 24. August dann ein Heimrennen für dich mit der Super Sprintdistanz (300-10-1,5) in Viernheim statt. Wirst du überall starten?

Nein, eine Mitteldistanz traue ich mir ehrlich gesagt noch nicht zu. Ich denke auch, hierfür müsste ich während des Trainings noch Mal ganz andere Schwerpunkte setzen. Meine aktuelle Trainingsplanung ist derzeit eher auf Sprints ausgerichtet, aber Viernheim habe ich auf jeden Fall eingeplant, sofern nichts Unerwartetes dazwischenkommt. Ich freue mich auch schon sehr auf diesen Wettkampf.

Wie war dein Saisonverlauf international gesehen, 2017 hast du Bronze bei den Europameisterschaften in Kitzbühel geholt, letztes Jahr wurdest du in Besancon Zweite?

Ende April kamen Lena und ich bei unserem Saisonauftakt in Mailand auf Rang fünf ins Ziel. Nach meinem Ausscheiden bei der EM im vergangenen Jahr, hatte ich vor dem Start in Mailand große Zweifel, ob ich überhaupt noch in der Lage bin, einen Sprint durchzuhalten, auch wenn meine Heimtrainer und die Coaches im Trainingslager mir dafür eigentlich genug Werkzeug an die Hand gereicht hatten. Deshalb bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Auch das Rennen im französischen Besançon hat mir sehr gut gefallen. Es war mein erstes Rennen mit Delia Bläß, die mich auch in Viernheim erneut begleiten wird. 

Warum wurdest du in Besancon Mitte Juni disqualifiziert?

Ich wusste nicht, dass man nach dem Rad fahren beim zweiten Wechsel die Helme auch zu den Schwimmsachen in die Box legen muss und Delia, die das erste Mal mit mir an den Start ging, wusste das auch nicht. Wir haben auch von der uns deswegen auferlegten Penalty nichts mitbekommen, weil wir nicht auf die dafür vorgesehene Tafel an der Laufstrecke geschaut haben. Ich dachte eigentlich, dass man die Penalty auch akustisch angesagt bekommt, aber dem ist wohl nicht mehr so. Trotzdem hatten Delia und ich einen schönen ersten Wettkampf zusammen, auch wenn das Endergebnis mir vor allem für sie sehr leidtut.   

Du startest ja mit einem Guide, deine Wettkämpfe sind mit einem ziemlichen Aufwand verbunden, finanziell und zeitlich. Wie wirst du unterstützt, hast du einen Sponsor, wer übernimmt die Reisekosten z.B.?

Mittlerweile habe ich mehrere Guides, die sich glücklicherweise auch größtenteils unter einander sehr gut kennen und sich dadurch auch gegenseitig absprechen können, wer wann mit mir starten kann. Delia und ich sind Vereinskolleginnen, Jana und Delphine starten für die Viernheimer Bundesligadamenmannschaft. Glücklicherweise erhalte ich schon immer sehr viel Unterstützung von meiner Familie und meinen Heimtrainern. Meine Eltern und meine jüngere Schwester, die selbst beim ersten Mannheimer Judoclub trainiert, begleiten mich zu fast allen Wettkämpfen. Wenn sie verhindert sind, fährt einer meiner Heimtrainer mit. Es ist von äußerstem Vorteil, wenn der Guide nicht alleine mit mir fährt, falls unerwartete Geschehnisse den Ablauf der Vorbereitung vor Ort beeinträchtigen. Zwar habe ich keine Sponsoren, aber ich werde seit Beginn meines Studiums an der Uni Mannheim durch das Spitzensportstipendium der Metropolregion Rhein-Neckar unterstützt. Dies hilft mir enorm bei der Koordinierung von Studium und Sport. Die während der internationalen Einsätze entstehenden Reisekosten werden für den Guide und mich vom DBS finanziert. Die Kosten für nationale Einsätze tragen meine Eltern.

Wie gestaltest du dein Training, hast du einen Trainingspartner, der dich dabei begleitet?

Ich trainiere schon immer in einer Trainingsgruppe meines Heimatvereins und bin da quasi hinein gewachsen. Im Becken schwimme ich selbstständig an einer Schnur entlang, welche die Bahnen abtrennt und ab und zu dient mir auch der Beckenrand als Orientierungshilfe, wenn gerade keine anderen Bahnabtrennungen zur Verfügung stehen. Im See schwimmt hauptsächlich meine Mutter mit mir, ab und zu jedoch auch eine meiner Guides, sofern sie das zeitlich einrichten können. Die Radeinheiten absolviert größtenteils ebenfalls meine Mutter mit mir, aber ab und zu fahre ich auch mit einem Guide oder trainiere auf der Rolle zu Hause im Garten oder im Haus. Das Laufen übernehmen entweder meine Trainer oder meine Trainingskollegen/-innen, aber die Dauerläufe absolviere ich auch manchmal mit meinen Eltern. Auch sonstige Trainingseinheiten (wie z.B. das Stabi- oder Faszientraining) mache ich entweder zu Hause oder mit anderen AthletInnen zusammen.      

Wie bist du als Blinde zum Triathlon gekommen?

Meine Mutter hat 2002 bei unserem Verein als Übungsleiterin begonnen und Kinder trainiert, die etwa in meinem Alter sind bzw. waren. Sie hat mich immer mitgenommen und mich in das Trainingsgeschehen involviert. 

Lena, du gehörst seit Dezember zum Triathlon Kader des Deutschen Behindertensportverbandes. Im Hinblick auf Tokio 2020 hast du C-Kader-Status. Was bedeutet das genau?

Durch meinen Kaderstatus kann ich an einem von mir ausgewählten OSP diverse Leistungen wie eine sportmedizinische Versorgung in Anspruch nehmen. Zudem werden die Kosten für internationale Rennen übernommen und ich bin Mitglied in der Deutschen Paralympischen Mannschaft.      

Wie qualifizierst du dich für die Paralympics, gibt es da ein Ranking-System?

Der Qualifikationszeitraum für die kommenden Paralympics begann am 29. Juni dieses Jahres und dauert genau ein Jahr. In diesem Zeitraum gilt es, im World Ranking so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Am Ende kommen dann die ersten zehn der Rankinglisten der jeweiligen Startklassen auf die Startliste für die Paralympics.

Welches Rennformat wird es in Tokio geben, die Olympische Distanz?

Nein, die Para TriathletInnen absolvieren bei den Paralympics die gleiche Distanz wie bei sonstigen Rennen, d.h. den Sprint.

Warum möchtest du in Tokio dabei sein?

Die Paralympics sind das Höchste, was man im Paratriathlon erreichen kann. Das reizt mich und daher wäre es schön, wenn es klappt.

Lena, vielen Dank für deine Antworten. Wir drücken dir die Daumen, dass du im Ranking die Quali für Tokio schaffst!!!

Tanja Weber

 

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